Exhibitions

Gerard Waskievitz
„Grazien, Taschen und Weiteres“
27.04 – 07.07.2018
Vernissage: Freitag,
27.04.2018 um 20:00 Uhr.

Existenzielle Themen aus dem Berliner Stadtleben vermischen sich mit alt bekannten Darstellungen aus der Renaissance. Drei weibliche Erscheinungen aus der Serie „Asphaltgrazien “ (2017) werden in zeitgemäßer Pose gemalt. Das Treffen dreier Freundinnen wird zu einer Versammlung der guten Eigenschaften: Anmut und Lieblichkeit, Schönheit, Freude und Heiterkeit, Ideale des weiblichen Liebreizes. Die „Drei Grazien“ erscheinen uns vor einem zeitgemäßen Hintergrund einer wohl desolaten Idylle, der heutige Diskurs und die Kommunikation scheint von der gleichen Innigkeit, wie in der klassischen Darstellung von Raffael. Uns unbekannte Gründe und Umstände lassen die drei Damen zusammenrücken vor einer morbiden Welt…nach Hesiod sind die drei Chariten Aglaia („Glanz“), Euphrosyne („die Freude bringende“ oder „Frohsinn“) und Thalia („blühendes Glück“). Heute transportieren die drei Grazien dem Betrachter noch immer Freude, berücksichtigt man die zeitgemäßen und existentiellen Voraussetzungen. Auf wen oder was sich die drei Musen einlassen, bleibt uns verborgen. Auch nicht, wen sie beglücken…wichtig ist die eigentliche Szene, die in der gleichen Formation wie bei Raffael, Dürer, Cranach und Cassanova angeordnet wird.
Gerard Waskievitz setzt das Thema der drei Grazien malerisch in einen neuen Zusammenhang. Durch die Wiederholung in der darstellenden Kunst scheint die Idee der drei Grazien zeitlos.

  Taschen


Da liegen sie nun, die „ Taschen“ (zweites Bild), die auch von den drei Grazien her stammen könnten, als abgelegte Begleiter und Behälter ihrer Zeit. Sie verbergen das Intime und Notwendige, verborgen von Blicken und Zugriffen und scheinen in ihrer Funktion ausgedient. Abgelegte, weggeworfene oder verlorene Taschen findet man oft an Straßenrändern der Berliner Großstadt oder als Requisite von Diebesgut. In unseren Vorstellungsvermögen erzählen sie uns Geschichten…drei Taschen, drei Schicksale. Sie erzählen Geschichten aus dem Leben einer Frau, für den Maler verkörpern sie in ihrer Abgenutztheit eine geheimnisvolle Morbidität, sie regen Phantasie an und sie geben Fragen auf: weggeworfene Taschen sieht man überall auf den Pflastersteinen einer Großstadt oder vergessen am Strand. Im Zusammenhang mit ihren Hintergründen und Kulissen erzählen sie etwas aus ihrer Zeit, aus ihren Zusammenhängen gerissen, werden sie zu einem Objet trouvé.
Ein Objet trouvé (franz. für ‚gefundener Gegenstand‘) ist ein Alltagsgegenstand oder Abfall, der wie ein Kunstwerk oder ein Teil davon behandelt wird. Vom Gebrauchswert wandert es zur Installation, die Konsumprodukte unserer Wegwerfgesellschaft werden zum malerischen Sujet des Künstlers. Die ausgedienten Taschen gehörten einmal zu den dazugehörigen Damen und deren Leben, sie liegen nun dort, der Witterung ausgesetzt, oder sie sind da, um wieder gefunden zu werden. Dann werden sie wieder befüllt, verwahren und transportieren Intimes.
Wenn durch Wiederholungen in der darstellenden Kunst die Bildidee der drei Grazien zeitlos erscheint, wird das Objet trouvé gleichfalls aus seiner Zeit gerissen und mit neuem Leben befüllt.
Weiteres


beschreibt am besten Waskievitz`s Intention, einen „bildnerischen Augenblick“ auf Leinwand zu bannen. Sowohl seine „Menschenbilder“ und Portraitserien, als auch seine Auswahl individueller Motivcollagen befassen sich mit dem Thema Vergänglichkeit und dem schon vergangenen Moment. Fasziniert von der Malerei der Renaissance, mit ihrer Weiterentwicklung der Techniken der Ölmalerei und der Betonung individueller Charaktere in der Menschendarstellung, schließt sich für ihn als Maler der Kreis des Beobachtbaren.
Gerard Waskievitz lebt und arbeitet in Berlin und ist in internationalen Ausstellungen und Sammlungen vertreten.